Geschichte des Ringstechens

Das Ringstechen zählt zu den ältesten bekannten Reiterspielen der Menschheitsgeschichte. Seine Ursprünge reichen bis in frühe Epochen zurück, in denen die Ausbildung von Reitern und Kämpfern eine zentrale Rolle spielte. In Zeiten von Kriegen, Feldzügen und Schlachten diente das Training im Umgang mit Waffen dazu, Formationen, Angriffskraft und Abwehrfähigkeit stetig zu verbessern.

Aus diesen militärischen Übungen entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte zunehmend spielerische Wettkämpfe und Turniere. Bereits im 13. Jahrhundert ist das Ringstechen in seiner frühen Form nachweisbar. Über lange Zeit blieb diese Disziplin zunächst dem Adel vorbehalten und war ein Privileg an königlichen und fürstlichen Höfen sowie bei Ritterturnieren.

Vom Ritterturnier zum Volksfest

Im 16. und 17. Jahrhundert fand das Ringstechen zunehmend Eingang in das Volksleben und wurde insbesondere im ländlichen Raum Bestandteil großer Festlichkeiten. Schon damals ritten die Teilnehmer im gestreckten Galopp auf einen zwischen Bäumen befestigten Ring zu, der mit einem kurzen Speer oder einer Lanze getroffen werden musste.

Historische Überlieferungen stammen vor allem aus Norddeutschland und Dänemark. Von dort verbreitete sich das Reiterspiel über die Normandie weiter nach Mitteleuropa und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil volkstümlicher Reitkultur.

Ringstechen im Neusser Reitercorps

Das Neusser Reitercorps hat sich seit seiner Gründung der Pflege und Bewahrung dieser Tradition verschrieben. Bis heute ist das Ringstechen ein zentraler Bestandteil des Neusser Bürgerschützenfest und eines der großen sportlichen und emotionalen Highlights der Festtage.

Gestochen wird traditionell mit der sogenannten Peeke. Von einer eigens aufgebauten Tribüne aus verfolgen zahlreiche Zuschauer die spannenden Wettkämpfe, bei denen sich die Reiter täglich in mehreren Durchgängen messen. Nur die erfolgreichsten Teilnehmer erreichen die nächste Runde.

Am Ende werden die drei besten Reiter eines Tages mit Preisen ausgezeichnet, die aus den Reihen des Corps und seines Freundeskreises gestiftet werden. Die Übergabe erfolgt feierlich durch Mitglieder der Reiterfamilie.

Ein besonderer Höhepunkt ist der Wanderpokal – die „Goldene Peeke“ –, die dem Reiter mit den meisten Ringen über alle Schützentage hinweg verliehen wird. Diese besondere Auszeichnung wird traditionell im Rahmen der Weihnachtsfeier überreicht.

Der Weg zum Hohen Reitersieger

Das Ringstechen dient jedoch nicht nur dem sportlichen Wettbewerb, sondern verfolgt ein übergeordnetes Ziel: die Ermittlung des Hohen Reitersiegers.

Am Dienstagnachmittag kommt es zum entscheidenden finalen Wettkampf. Der Reiter, der zuerst drei Ringe erfolgreich mit der Peeke sticht, erringt den Titel des Hohen Reitersiegers. Der bisherige Sieger wird feierlich entthront, bevor der neue Reitersieger auf der Festwiese mit Siegerkranz und Siegerkette ausgezeichnet wird.

Begleitet wird dieser Moment von allen aktiven Mitgliedern des Reitercorps, die in festlicher Kleidung und in den Farben der Stadt Neuss antreten und während der Zeremonie die Nationalhymne würdevoll begleiten.

Im Anschluss gratulieren Mitglieder, Familien und Freunde dem neuen Reitersiegerpaar, das anschließend feierlich ins Festzelt geleitet wird. Dort erfolgt die offizielle Vorstellung durch den Schützenpräsidenten.

Foto: Graca Darius Bialojan

Krönung und Proklamation

Die Proklamation des Hohen Reitersiegers findet gemeinsam mit der des Schützenkönigs am darauffolgenden Samstag im Rahmen des Krönungsballs statt.

Nach einem gemeinsamen Beisammensein in der Residenz des Reitersiegers folgt der traditionelle Ablauf des Festzuges: Der Hohe Reitersieger nimmt den Chargiertenempfang ab, begleitet den Schützenkönig aus dessen Residenz und führt den gesamten Zug über das Zeughaus bis zur Stadthalle.

Dort finden der Krönungsball sowie die feierliche Proklamation statt. Nach Einzug, Festreden und Zeremonie werden der neue Schützenkönig und der neue Hohe Reitersieger offiziell in ihr Amt erhoben – als höchste Repräsentanten des Neusser Schützenjahres.

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