
Geschichte des Neusser Reitercorps
Das Neusser Reitercorps blickt auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurück. Seine offizielle Gründung im Jahr 1828 markiert einen wichtigen Meilenstein im Neusser Schützenwesen – doch die Wurzeln reichen noch weiter zurück.
Die Gründung des Reitercorps
Bereits 1823 rief die Junggesellensodalität die „Vogelschützen-Gesellschaft“ ins Leben. Ziel war es, ein Volksfest zu gestalten, an dem alle Bürger teilnehmen konnten. Schon damals waren Grenadiere und Jäger feste Bestandteile des Festgeschehens, das sich schnell zu einem bedeutenden gesellschaftlichen Ereignis entwickelte.
Nur fünf Jahre später bereicherten die Reiter das Fest erstmals mit ihren Reiterspielen. Unter der Führung ihres ersten Reiterchefs Caspar Thywissen (1801–1879) feierte das Reitercorps 1828 seine Premiere – und hinterließ dabei direkt einen bleibenden Eindruck. Mit Schleifen in den Stadtfarben bekannten sich die Reiter sichtbar zu ihrer Heimatstadt Neuss.
Von Beginn an galt das disziplinierte Auftreten als Markenzeichen des Corps. Besonders die Reiterspiele, darunter Wettrennen und das traditionelle Ringstechen, zogen schon früh zahlreiche Zuschauer in ihren Bann. Bereits 1829 schmückten Ringstecher das offizielle Plakat des Schützenfestes.
Bis heute sind die Reiterspiele ein fester Bestandteil des Programms des Neusser Bürgerschützenfest. Über die Jahre hinweg haben die Mitglieder des Reitercorps nicht nur das Schützenwesen geprägt, sondern auch das wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Leben in Neuss nachhaltig beeinflusst. Viele dieser Impulse sind bis heute in der Stadt sichtbar und machen die besondere Bedeutung des Reitercorps aus.
Corpsspitze des Neusser Reitercorps
Die Geschichte des Neusser Reitercorps ist geprägt von bemerkenswerter Kontinuität in der Führung. Über Jahrzehnte hinweg haben engagierte Persönlichkeiten die Entwicklung des Corps maßgeblich gestaltet und geprägt.
Gründungschef Caspar Thywissen
Caspar Thywissen gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der frühen Stadt- und Wirtschaftsgeschichte von Neuss sowie zur Gründungsgeschichte des Neusser Reitercorps.
Von 1852 bis 1877 war er Mitglied des Stadtrates und gestaltete das öffentliche Leben seiner Heimatstadt aktiv mit. Bereits zuvor hatte er 1839 seine unternehmerische Unabhängigkeit vollzogen und sich aus dem Familienunternehmen „Heinrich Thywissen und Sohn“ gelöst, um die Ölmühle C. Thywissen zu gründen.
Als Gründungschef prägte Caspar Thywissen auch die Entwicklung des Reitercorps entscheidend mit. Sein Wirken verbindet wirtschaftlichen Fortschritt, gesellschaftliche Verantwortung und lokale Verbundenheit – Werte, die bis heute im Selbstverständnis des Reitercorps weiterleben.
Wiederaufbau und prägende Jahre
Eine zentrale Figur war Carl Thywissen, der bereits 1925 im Jahr seines Eintritts die Würde des Reitersiegers erlangte. Als Corpschef führte er das Reitercorps von 1934 bis 1939 sowie nach dem Zweiten Weltkrieg erneut von 1948 bis 1969. Gemeinsam mit seinem Adjutanten Herbert Karrenberg, dem ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Neuss, setzte er wichtige Impulse für den Wiederaufbau.
Ein bedeutender Moment war 1949 die Teilnahme am Fackelzug – ein symbolischer Neubeginn für das Corps. Bereits ein Jahr später konnten die Reiter wieder an Paraden und Umzügen teilnehmen. Zudem legte Carl Thywissen den Grundstein für eine bis heute gelebte Tradition: das Gartenfest am Schützenfestmontag, ermöglicht durch die Nutzung seines Elternhauses an der Erftstraße. Für seine Verdienste wurde er später zum Ehrenchef ernannt.
Generationswechsel und Weiterentwicklung
1970 übernahm Theo Oldenkott die Führung des Corps, unterstützt von Richard Koenemann als Adjutant. Gemeinsam stärkten sie insbesondere die Einbindung der nächsten Generation, indem viele Söhne aktiver Reiter in das Corps aufgenommen wurden.
1987 folgte ein weiteres junges Führungsteam: Bernd Koenemann als Chef und Jan Antony Vogel als Adjutant führten das Corps über zehn Jahre hinweg erfolgreich weiter und knüpften an die Arbeit ihrer Vorgänger an.
Führung im Wandel
Nach ihrer Amtszeit wurde Carl Albert Schiffer zum Corpschef gewählt, unterstützt von Gottfried Leuffen als Adjutant. Krankheitsbedingt übergab Schiffer sein Amt, sodass Leuffen 2003 die Führung übernahm.
In den folgenden Jahren wurde er von mehreren Adjutanten begleitet, darunter Christoph Brüster, Christian Thywissen und später Jürgen Koep, der über viele Jahre eine wichtige Konstante in der Corpsführung darstellte. 2014 wurde Gottfried Leuffen zudem zum Ehrenmitglied des Neusser Bürger-Schützen-Vereins ernannt. In demselben Jahr stand schließlich Karl Reinartz, der vorher bereits neun Jahre Wacht- bzw. Oberwachtmeister des Corps gewesen war, dem Corps als Chef vor.
Die Corpsspitze heute
Seit 2019 steht Axel Hebmüller an der Spitze des Reitercorps. Unterstützt wird er von seinem Adjutanten Jan Schanowski sowie einem engagierten Vorstand, der die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt.
Beide sind tief im Reitsport verwurzelt. Axel Hebmüller bringt darüber hinaus seine Erfahrung als Präsident des Kreis-Pferdesportverbandes Neuss ein und führt das Reitercorps mit Blick auf Tradition und Zukunft gleichermaßen.
Eine besondere Auszeichnung für das Reitercorps
Eine besondere Ehre wurde dem Neusser Reitercorps im Jahr 2001 zuteil: Mit Heiner Sandmann wurde erstmals ein Mitglied des Corps zum Oberst des Neusser Schützenregiments gewählt. In dieser herausragenden Position führte er das Regiment über einen Zeitraum von zehn Jahren und prägte das Schützenwesen in Neuss nachhaltig.
Unterstützt wurde er dabei von seinem Adjutanten Volker Schmidtke, mit dem er gemeinsam Verantwortung für eines der wichtigsten Ämter im Neusser Bürger-Schützen-Verein trug.
Für seine besonderen Verdienste und sein langjähriges Engagement wurde Heiner Sandmann im Jahr 2016 zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt – eine Auszeichnung, die seine Bedeutung für das Neusser Schützenwesen eindrucksvoll unterstreicht.
